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Herr Dahlmann wirft mir ein Stöckchen zu und ich habe ein Problem, denn von meinen nicht zuende gelesenen Büchern habe ich mich während der gefühlten zwölf Umzüge in den letzten drei Jahren weitgehend getrennt. Dank des beharrlichen Wirkens meiner Dame bin ich nämlich inzwischen in der Lage, Bücher wegzuwerfen. Unter Schmerzen, aber immerhin. Trotzdem, ein paar gibt es noch, ein paar sind hinzu gekommen - hier eine Auswahl:

Maxim Biller - Bernsteintage

Eigentlich macht es Biller ja richtig: Er schreibt sein Spätwerk schon jetzt. Und wenn er irgendwann in das Alter kommt, nach dem seine Bücher heute bereits klingen, kann er sich lässig zurücklehnen und sagen: "Alles schon erledigt." Gut, manche beschimpfen ihn deshalb als Feuilletonistenliebchen, aber da steht er sicher drüber.

Michel Houellebecq - Elementarteilchen

Literarische Form: gewürdigt. Botschaft: verstanden. Handlung: uninteressant. Dann muss man es auch nicht zuende lesen, finde ich.

Benjamin von Stuckrad-Barre - Soloalbum

Gibt so Bücher, die legt man abends einfach beiseite und vergisst sie am nächsten Tag. Und am übernächsten auch. Und irgendwann stellt man sie wieder ins Regal, zur Hälfte gelesen, ohne Bedauern, ohne Hass, ohne etwas zu vermissen. Einfach so.

Kopfüber am Himmel - Eine Anthologie herausgegeben vom Literarischen Verein der Pfalz

Meine drei Jahre in Kaiserslautern waren ja literarische Diaspora. Die Literaturwelt der Stadt wurde von zwei dunklen Mächten dominiert: Zum einen vom Filialisten Gondrom, der seine Wurzeln in der Stadt hatte und der sich darum der Förderung Pfälzer Mundartdichtung verpflichtet sah. Zum anderen von einem verkniffenen linken Buchhändler, der immer verächtlich kuckte, wenn man ein Buch kaufte, das seinen Ansprüchen nicht genügte.

Letzterer veranstaltete regelmäßig Lesungen in der Stadt. Diese Lesungen waren Hurz-Treffen kerkelingschen Ausmaßes. Hatte einer der Gäste Schnupfen, konnte man sicher sein, dass am nächsten Tag die Schulen aufgrund massiven Lehrermangels nur noch Notbetrieb fahren konnten.

Egal, auf der Suche nach guter lokaler Literatur kaufte ich mir irgendwann dieses Buch. Das war auch gleichzeitig das Ende meiner Suche. Man sollte immer wissen, wann man aufgeben muss.

Jana Hensel - Zonenkinder

Das Buch schmückt nicht mein Regal, sondern das meiner Gemahlin, der ich es geschenkt hatte - natürlich auch in der Absicht, es selbst zu lesen, wie man das halt so macht. Hätte ich es doch gelassen, denn es war furchtbar: Diese Ach-weißt-du-noch-Seligkeit, mit der die ganze politische Scheiße, die wir zum Glück hinter uns gelassen haben, frühlingsblütenduftig zugedeckt wird. Diese Attitüde, mit der die Autorin sich erdreistet, im Namen einer kompletten Generation zu sprechen, wie im Osten überhaupt gerne im Namen irgendeines Kollektivs gesprochen wird. Diese Arroganz, mit der behauptet wird, das Verschwinden der Jugend und ihrer Symbole sei, ach, eine Last, unter der nur die Ostdeutschen zu ächzen hätten. Dieses permanente Gejammer darüber, dass Leben nunmal Veränderung bedeutet. Zusammen ergibt das eine unerträgliche Mischung aus Larmoyanz und Naivität, ein erzreaktionäres Gewäsch, das entweder strunzdumm runtergeschrieben oder kühl auf den Markt hin kalkuliert wurde. Ein Buch, das ich zutiefst verachte.

So, und jetzt andere: Weiterwerfen möchte ich das Stöckchen an Isabo (von der ich nur weiß, welches Buch ganz sicher nicht in ihrer Liste auftauchen wird) und an Herrn Bluesky. Ach, und vielleicht noch an Cassandra.
   







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